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So sauber wie unser Strom
Vierrad
Thursday, 02 February 2012 12:40   |   Written by ff

Eine Million Elektrofahrzeuge sollen in Deutschland im Jahr 2020 fahren. Das ist das Ziel der Bundesregierung, festgelegt 2009 im "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität". Ein vergleichsweise bescheidener Zehnjahresplan. Denn derzeit fahren rund 45 Millionen herkömmlicher Pkw auf unseren Straßen. Obendrein wird sich der Millionen-Plan der Bundesregierung womöglich noch um zwei Jahre verspäten. So sieht es das Öko-Institut.

Das Institut ging im Auftrag des Bundesumweltministeriums dem Thema nach: "Optimierung der Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen" (Optum). Die Studie wurde jetzt vorgestellt. Wieviel Umweltentlastung bringt also die Elektromobilität?

Sehr wenig. Die CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs könnten durch Elektrofahrzeuge - bis 2030 - um 6 Prozent verringert werden. Demgegenüber wird erwartet, dass durch die Verbesserung der Motoren herkömmlicher Pkw bis 2030 rund ein Viertel der CO2-Emissionen eingespart werden könnte.

Um die Hälfte billiger

Wie teuer ist ein Elektrofahrzeug pro 100 km/h im Jahr 2020? Laut Öko-Institut fährt ein Stromer im Jahr 2020 zum halben Preis wie ein Benziner. Im Detail:
ausgehend von einem Strompreis von 0,22 Euro für die Kilowattstunde kostet ein Stromer 4,06 Euro /100 km. Die Anschaffung liegt bei 32 000 Euro und ist damit 8000 Euro teurer als der Benziner.

Der Benziner kostet bei einem Verbrauch von 5,4 Liter Kraftstoff /100 km und einem Spritpreis von 1,52 Euro
8,21 Euro pro 100 km. Anschaffungspreis: 24 400 Euro.

Ein Plug-in-Hybrid Fahrzeug hat in dieser Modellrechnung eine Batterie für rund 50 km. Dann wird der Benzin-Motor genutzt. Die Kraftstoffkosten für dieses Fahrzeug wurden mit 5,60 Euro / 100 km berechnet. Der Wagen kostet in der Anschaffung 27 700 Euro.

Das Öko-Institut legt bei seinen Berechnung einen Wagen der Kompaktklasse - bzw. Van - zugrunde, der meistverkaufte Typ. Hybrid und Benziner haben eine Motorleistung von 100 kW, der Stromer hat eine Leistung von 85 kW.

 

Das alles ist nicht verwunderlich. Es hat nichts mit "Ökolüge" zu tun, wie eine Zeitungen titelte. Vielmehr steht die Elektromobilität erst am Anfang. Und sie stößt auf Probleme, die seit Jahrzehnten vernachlässigt werden. Die Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen etwa. Die Studie des Öko-Instituts macht darauf erneut aufmerksam: Elektromobile sind nur so umweltfreundlich wie die Kraftwerke, die den Strom für ihre Batterien erzeugen. Laut Öko-Institut verursacht ein E-Mobil dessen Strom in einem fossilen Kraftwerk erzeugt wurde etwa denselben CO2 Ausstoß wie ein Benziner/Diesel.

Doch in das Thema Stromerzeugung kommt Bewegung von unerwarteter Seite. Auch die Automobilhersteller fragen sich offenbar, was ihr Elektrofahrzeug wert ist, wenn es seine Batterien mit Strom aus fossilen Kraftwerken lädt. Laut der Tageszeitung "taz" engagieren sich immerhin Audi und Daimler. Für einen "zweistelligen Millionenbetrag" errichten die Autobauer aus Ingolstadt vier Offshore-Windkraftanlagen, die die Strommenge für 2 500 Audis mit Elektro- und Gasantrieb erzeugen sollen, so die taz. Auch Daimler investiert in die Erzeugung grünen Stroms.

Audi geht offenbar noch einen Schritt weiter. Der Autohersteller will eine Anlage errichten, die überschüssigen Windstrom als Methangas speichert. Auf die Speicherproblematik macht auch die Optum Studie aufmerksam. Sollte eines Tages eine nennenswerte Zahl E-Mobile unterwegs sein - diese werden üblicherweise am Abend ans Netz gehängt. Ausgerechnet dann, wenn der Stromverbrauch ohnehin am höchsten ist.

Als weiteren wesentlichen Punkt für die Entwicklung der Elektromobilität macht die Studie die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen aus. Doch an diesem Punkt ist die Studie eher optimistisch. Hochrechnungen zufolge würden sich 2020 rund zwei Drittel der Neuwagenkäufer für ein Elektromobil entscheiden oder für einen Hybriden, der sowohl mit Strom wie auch mit Sprit fährt. "Je kleiner das gewünschte Auto, umso mehr Personen entscheiden sich für die elektrische Variante", so das Öko-Institut. Darüber hinaus nimmt auch in Unternehmen die Bereitschaft zu, Elektromobile für den Fuhrpark anzuschaffen.

Der größte Dämpfer für den Kauf eines Elektromobils ist laut Öko-Institut aber nicht der deutlich höhere Anschaffungspreis sondern die begrenzte Reichweite von rund 160 Kilometern. Vielleicht ist entscheidender aber auch ein Kommunikationsproblem. Denn die Reichweite bedeutet im Alltag überhaupt keine Einschränkung. Tatsächlich ist das Fahrzeug ein "Stehzeug". In aller Regel reicht die Batteriekapazität für die Fahrt zur Arbeit aus. Während der Arbeitszeit kann das Fahrzeug geladen werden und ist dann bereit den Rückweg. Dies gilt auch für sogenannte Großeinkäufe. Diese dauern meist länger - in aller Regel reicht die Zeit aus, die Akkus wieder aufzuladen.

Nur für wenige Sonderfahrten eignen Elektromobile sich nicht. Statistisch gesehen ist das durchschnittlich zwölf Mal im Jahr der Fall, zum Beispiel bei Urlaubsfahrten. "Für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen sind daher alternative Mobilitätsoptionen für die „langen Fahrten“ entscheidend, beispielsweise die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder eines Mietwagens", notiert das Institut.

Zur Studie: Oeko-Institut

 
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